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Ein Tag für den gesunden Geist

14.09.2016

Die Zahl derer, die an psychische Erkrankungen leiden, allen voran Depressionen, hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Inzwischen hat auch die Medizin reagiert und besinnt sich zunehmend auf alternative Techniken. Wie die aussehen und was man selbst für die Gesundheit des eigenen Geistes tun kann, das soll demnächst zum 3. Tag der Seelischen Gesundheit erklärt werden...

 

3. Tag der seelischen Gesundheit (Foto: Angelo Glashagel)
"Achtsamkeit" ist so ein Wort, über das man in letzter Zeit immer häufiger stolpert. Dahinter verbirgt sich ein eigentlich einleuchtender Ansatz - man sollte im Alltag mehr "auf sich acht geben", mehr auf den eigenen Körper hören, nicht in Extreme verfallen, einen Ausgleich finden, bewusst handeln und Bewusstsein erlangen.

 

Vor einigen Jahren noch hätte man derlei Themen vielleicht eher am subkulturellen Rand der Gesellschaft vermutet, irgendwo zwischen Meditationszirkel, Jesuslatschen und Räucherstäbchen. Heute ist der Diskurs um die seelische Gesundheit im gesellschaftlichen Alltag angekommen - es gibt inzwischen offizielle Ausbildungen zum "Achtsamkeitslehrer" und die entsprechenden Kurse werden häufig sogar von den Krankenkassen anerkannt. Ein deutlicheres Indiz für die Ankunft in der breite der Bevölkerung braucht es eigentlich kaum.

 

Aber auch die klassische Medizin widmet dem Ansatz seit einigen Jahren mehr Aufmerksamkeit. "Achtsamkeitsübungen sind heute zentraler Baustein in der Behandlung von Borderline Patienten, bei Menschen die selbstverletzendes Verhalten an den Tag legen, Selbstmordgedanken haben oder Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sind", sagt der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychatrie am Nordhäuser Südharzklinikum, Prof. Dr. med. Philip Heiser. Psychische Erkrankungen stünden heute nach Muskel- und Skelleterkrankungen an zweiter Stelle, wenn es um Arbeitsunfähigkeit geht. Der Prozentsatz an Menschen, der wegen psychischer Erkrankungen der Arbeit fern bleiben, sei in den letzten Jahren laut Statistik um 170% gestiegen, meint der Mediziner.

 

Am häufigsten sei die klassische Depression - Antriebslosigkeit, Traurigkeit und Freudlosigkeit, die mindestens über zwei Wochen anhalten, lautet die gängige Definition in der Medizin. Hinzu kommen oft körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen, verminderter Appetit oder auch eine erhöhte Vulnerabilität gegenüber Umwelt- und Stressfaktoren.

 

Gründe für den rapiden Anstieg gibt es viele - angefangen bei höherem Leistungsdruck im Berufsleben, über zunehmende Technisierung und ständige Erreichbarkeit bishin zur Veränderung der Familienstruktur - es sind gesamtgesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen, die den Menschen aufs Gemüt schlagen, so scheint es. Die Last, die auf den Schultern des Einzelnen lastet, ist größer als früher, der Mensch hat aber weniger Zeit, sich mit sich selbst und mit Schwierigkeiten, Rückschlägen und Verletzungen auseinanderzusetzen.

 

Dem allgemeinen Trend ist man indes keineswegsschutzlos ausgeliefert. Auch wenn Depressionen heute häufiger und zum Teil sogar genetisch veranlagt sind, heißt das nicht, dass die dunkleren Ecken des eigenen Geistes per se schlecht sein müssten. "Jeder hat einmal eine Krise, die Frage ist, wie man damit umgeht", sagt Therapeutin Sabine Schröder. Die Schuldirektorin hat für sich vor allem den Sport als Ausgleich entdeckt - der Körper wird nicht nur allgemein gekräftigt, die Bewegung baut auch Stresshormone ab. "Für viele ist das ein sehr guter Ausgleich, wichtig ist, dass man etwas komplett anderes macht als sonst".

 

Zusammen mit dem Südharz Klinikum will Frau Schröder am 26. Oktober den 3. Tag der seelischen Gesundheit organisieren, und dann noch andere Wege aufzeigen, die zum Erhalt der seelischen Gesundheit beitragen können. "Man rutscht schneller in eine Depression als man das für möglich hält", sagt Schröder, damit es gar nicht erst soweit kommt, will man sich zum Tag der seelischen Gesundheit vor allem auf präventive Ansätze konzentrieren.

 

"Es ist wichtig danach zu fragen, wie man im Strom des Lebens gesund bleiben, kann trotz mitunter widriger Umstände. Die Antwort auf die Frage, wie das gelingt, hat einerseits mit Prävention zu tun und andererseits damit, die Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Seele zu verstehen", sagt Schröder.

 

Den Zusammenhang zwischen seelischer und körperlicher Gesundheit wird dann Jeanette Böhler, die neue Chefärztin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Südharz Klinikum beleuchten. In verschiedenen Workshops geht es anschließend um mehr Bewusstsein im Alltag, Angstzustände, die Wechselwirkung zwischen Darmflora und geistigem Wohlbefinden sowie um Meditation.

Der 3. Tag der seelischen Gesundheit findet am 26.10. ab 16:30 Uhr an der Petersbergschule Nordhausen statt.